Allgemein Genuss Pflanzen Schön

Kamelien – feine Damen mit Geschichten im Gepäck

8. März 2019

Kamelien sind in jeder Hinsicht bemerkenswert: Ihre eleganten Blüten, ihr dunkles Laub und ihre elegante Form faszinieren den Betrachter ebenso wie die Geschichten, die um diese eigentlich aus Asien stammende Art entstanden sind. In Deutschland zum Beispiel kennt man die Kamelie von Pillnitz, die in einem Dresdner Schlossgarten schon seit 1770 steht und damit das älteste Exemplar nördlich der Alpen ist. Ein fahrbarer Wintergarten schützt den 10 Meter hohen Baum vor Frösten. Ein früherer Frostschutz brannte in einem eiskalten Winter nieder – und die Pflanze überlebte nur deswegen, weil um sie herum das Löschwasser sofort gefror.

Dass wir Kamelien schon seit der frühen Neuzeit bei uns in Europa kultivieren, ist eigentlich einem Trick der Chinesen zu verdanken. Damals bemühte sich, einer weiteren kuriosen Geschichte zufolge, die angehende Kolonialmacht England darum, den teuer importierten Tee auf eigenen Plantagen zu kultivieren. Expeditionen in den fernen Osten schienen zunächst von Erfolg gekrönt: Die Schiffe kamen mit Pflanzen zurück, die tatsächlich aussahen wie Teesträucher. Aber da hatten die Händler die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Sie brachten statt der Originale nur Ziersträucher nach Hause. Die Chinesen hatten die mit dem Tee tatsächlich eng verwandten Kamelien flugs umdeklariert – und behielten so ihr Monopol. 

Nun sind Engländer durchaus bekannt für ihre phantasievolle Gartengestaltung. Und so zogen sie die empfindlichen Tropenpflanzen fortan in den Gärten und Orangerien des gehobenen Adels, wo sie die Betrachter mit schön gefüllten, üppigen bunten Blüten entzückten. Erst 200 Jahre später bestimmte der berühmte Botaniker Carl von Linné die wahren Verwandtschaftsverhältnisse und taufte die heute noch geläufigste Art, die camelia japonica, nach dem Naturkundler Georg Joseph Kamel. Da war sie längst zu einem Highlight der Gartengestaltung herangereift.

Kostbar, exotisch – und mittlerweile pflegeleicht

Ihre Kostbarkeit und Exotik inspirierte sogar Schriftsteller und Komponisten! „Die Kameliendame“ war ein erfolgreicher Roman und wurde auch in Oper und Ballett interpretiert. Und tatsächlich wirkt die Pflanze sehr damenhaft und elegant. Zugleich haben Gartenfreunde viel Freude an ihr, denn heute ist sie winterhart und recht gut an das europäische Klima angepasst. Sie benötigt sogar kalte Witterungsphasen für ihre Winterruhe. Früher wurde sie ausschließlich als Zimmerpflanze eingesetzt, allerdings hatte sie es in den Wohnzimmern auch entsprechend kühl, denn die waren nicht durchgängig beheizt.

Da, wo sie sauren Boden und halbschattige Standorte vorfindet, wächst sie durchaus auch in Privatgärten schnell bis zu zwei Meter hoch. Bei strengem Frost friert sie bisweilen zurück und treibt dann wieder neu aus. Damit gedeiht sie in Gegenden wie der Kölner Bucht gut, vor allem in geschützten Lagen in der Innenstadt kann ihr Frost kaum je gefährlich werden. Dagegen sollte man sie in der Eifel, vor allem an exponierten Plätzen, besser über den Winter mit einem Gitter umstellen, an dem man Vlies befestigt oder sie direkt mit Vlies oder Jute abdecken.

Breite Farbpalette zwischen Rot und Weiß

Die Kamelie ist auch heute noch sehr beliebt. Das liegt wohl vor allem an den großen, eleganten, oft reich gefüllten Blüten, die sich im zeitigen Frühling öffnen. Die Züchter haben ganze Arbeit geleistet und eine breite Farbpalette geschaffen: Kamelien blühen weiß, rosa, rot und in allen Zwischentönen, dazu auch zweifarbig, zum Beispiel weiß mit rotem Rand. Es gibt neben den gefüllten Blüten, die an Pfingstrosen erinnern, auch einfache. Und mit der camelia sasangua ist sogar eine herbstblühende Variante auf dem Markt.

Das Schöne an der delikaten, immergrünen Pflanze ist, dass sie nie aus der Mode gerät. Sie ist ein echter Klassiker, der älteren wie jüngeren Generationen gleich gut gefällt und seine Wirkung nicht verfehlt. Zu den großen Blüten passt das dunkelgrüne Laub gut – und selbst die Knospen, die sich im Herbst zu entwickeln beginnen, sind dekorativ. Pflege braucht eine Kamelie nicht über die Maßen. Allerdings sollte man darauf achten, dass sie immer genug Wasser erhält. In trockenen Wintern empfiehlt es sich sehr, sie von Zeit zu Zeit zu gießen, damit sie nicht ihre Knospen verliert – Staunässe gilt es allerdings zu vermeiden.. Das will man doch einer feinen Dame nicht antun!

Diesen Beitrag teilen:

Das könnte Sie auch interessieren

Keine Kommentare

Was sagen Sie dazu?