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Der Schottergarten – Die Klimakatastrophe vor dem Haus

28. Juni 2019

Wer Zeitung liest und aufmerksam durch die Welt geht, kann kaum noch abstreiten, dass der Klimawandel in Deutschland längst angekommen ist. Die fünf letzten Jahre gehörten zu den heißesten der neueren Wettergeschichte, im April 2019 wurde erstmals eine Serie von 13 aufeinanderfolgenden „zu warmen“ Monaten gemeldet. Der Boden ist dürr und Starkregen bringen keine Erleichterung, sondern teils katastrophale Überschwemmungen. Zugleich geht das Insektensterben weiter. Warum gestalten dann immer mehr Eigentümer ihre Vorgärten mit Schotter und Stein zu einer Wüste? Weil der Schottergarten pflegeleicht und repräsentativ sei, wird argumentiert. Dabei stimmt nicht einmal das.

Auch in Köln ist der Trend unübersehbar: Gerade in Neubauvierteln sieht man immer häufiger keine wirklichen Vorgärten mehr, sondern Flächen aus verschiedenen Steinen: Schotter aus Marmor oder Grauwacke, in Mustern arrangierte Kiesel, bisweilen mit einem Findling oder einer Steinstele verziert und nicht selten mit Steinborten gerahmt. Für Pflanzen ist kaum Platz: Vereinzelt sieht man streng getrimmte Koniferen als einzige Lebewesen dort stehen. Diese Gartengestaltung hat Methode: Schottergärten erobern die ohnehin überhitzten Städte – vor Einfamilienhäusern, aber auch als Entree-Gestaltung vor Mehrfamilienhäusern und Gewerbebauten. Es sind Visitenkarten aus Fels.

Schottergärten sind pures Ödland

Der Naturschutzbund NABU weist immer wieder auf die Wertlosigkeit solcher Flächen für die Pflanzen- und Tierwelt hin. Der Verband Galabau NRW beurteilt Bahntrassen schon als grüner als manchen Vorgarten. Auf Facebook ist die vom Biologen Ulf Soltau veröffentlichte Bilderseite mit dem Titel „Gärten des Grauens“ ein Hit. Kommunen, wie zuletzt die Stadt Xanten, erlassen die ersten Verbote für Schottergärten. Und die Politik diskutiert bereits, ob ein Bundesgesetz her muss. Die Besitzer wehren sich und argumentieren, dass diese Vorgärten nicht nur ästhetisch, sondern auch pflegeleicht seien. In der Tat hat eine durchschnittliche Familie mit zwei berufstätigen Eltern meist kaum Zeit und Lust für die Gartenarbeit. Und in den Augen vieler Betrachter sehen Steinformationen durchaus schön – und vor allem aufgeräumt – aus. Mancher gibt an, dass Beschwerden von Nachbarn über „ungepflegte Grundstücke“ der Auslöser für einen Schottergarten waren.

Aber tut man Nachbarn einen Gefallen mit einem Schottergarten? In der Regel wird der Boden bis unter die Humusdecke ausgehoben, unten eine Folie, das Unkrautvlies, ausgelegt und dann das Areal komplett mit Schotter oder Kies angefüllt. Manche ziehen sogar eine Betonplatte darunter. Danach ist erst einmal Ruhe – oder vielmehr Totenstille, denn Summen und Zwitschern wird man aus solchen Vorgärten nicht vernehmen. Die Fläche ist teilweise oder komplett versiegelt und bietet keinem Tier mehr einen Rückzugsraum.

Extreme Hitze, Lärm und Überschwemmungen

Immer wieder stellen wir fest, dass der ästhetische Reiz, selbst bei gelungener Gestaltung, nicht immer überzeugt. Denn anders als Büsche und Bäume sind die eher spärlichen Akzente in Schottergärten nicht geeignet, auf so kleinem Raum ein Panorama für sich zu schaffen. Man sieht förmlich hindurch – auf Nachbarhäuser, Autos, Garagen, Reklametafeln, Verkehrsschilder. Daher fassen manche die Fläche mit wuchtigen Gabionen oder schmucklosen Metallzäunen ein, in die oft noch PVC-Bahnen zum Sichtschutz eingeflochten werden. Ob das eine optische Bereicherung ist, muss jeder selbst wissen.

Was sich bei warmen, sonnigen Wetterlagen wie derzeit bemerkbar macht: Stein heizt sich tagsüber stark auf, speichert die Hitze und gibt sie die ganze Nacht über ab. Heiße Luft wird so im Umfeld des Hauses noch heißer, bleibt dort lange gefangen und erzeugt letztlich ein Mikroklima wie in einer Felswüste – mit Lufttemperaturen in der Sonne von 50 Grad und mehr! Nicht selten bleiben deswegen die Rollläden hinter solchen Flächen auch tagsüber heruntergelassen. Nichts mildert diesen Effekt, denn es gibt kaum Vegetation im Schottergarten – und damit weder Schatten noch Verdunstung. Es ist, als hätte man den Klimawandel absichtlich um sich herum verstärkt und beschleunigt. Und die Nachbarn leiden mit.

Auch Starkregen kann zum Problem werden, denn versiegelte Böden nehmen kein Wasser auf. Der Regen läuft oberflächlich ab, kann sich auf der Straße stauen, Drainage und Kanalisation überlasten. Daher kosten Schottergärten häufig ihre Besitzer zusätzliches Geld, denn die Kommunen berechnen für versiegelte Flächen zu Recht Abwassergebühren. Übrigens sind Steingärten auch laut: Verkehrs- und Nachbarschaftsgeräusche werden nicht von Pflanzen geschluckt, sondern direkt ans Haus reflektiert.

Es gibt wirklich pflegeleichte Vorgärten – aber keine aus Stein

Bleibt der Pflegeaufwand. Ist ein Schottergarten tatsächlich so pflegeleicht, wie behauptet wird? Nein, denn auch wenn er eine Art Wüste ist, bleibt in der Umgebung unsere Vegetation und unser Wetter erhalten. Algen wachsen, Blätter fallen zwischen die Steine, Staub und Samen werden angeweht, Regen fällt. Nach und nach bildet sich mitten im Schotter immer mehr organisches Material, selbst wenn man ihn regelmäßig mit Laubbläser oder Kärcher traktiert. Die Natur erobert ihr Terrain zurück. Mit der Zeit bildet sich eine Humusauflage unterhalb der oben aufliegenden Schottersteine, die robusten Gräsern, Moosen, Vogelmiere oder Klee eine Lebensgrundlage bietet. Nach ein paar Jahren ist die Überraschung groß: Zwischen den Steinen sprießt das Unkraut förmlich. Und Tiefwurzler wie Löwenzahn sind imstande, selbst die Schutzfolie zu durchstoßen. Wer nun den Vorgarten wieder „ordentlich“ bekommen will, hat erst recht Arbeit, denn er muss zwischen locker aufliegendem Gestein arbeiten und es nicht selten teilweise abtragen. Manche greifen gar zu verbotenem Gift, um sich dies zu ersparen, und der illegale Gifteinsatz kann richtig teuer werden. Bis zu 50.000 Euro Strafe drohen, sollte es auffliegen.

Vorgärten mit einer klug ausgewählten Bepflanzung dagegen machen tatsächlich kaum Arbeit: Eine pflegearme Komposition aus Gehölzen, Stauden und Blühpflanzen ist immer möglich. Wem selbst das zu viel Arbeit bedeutet, kann auch ganz einfach auf Samenmischungen für Bienen- und Schmetterlingsblumen umsteigen. Das ist die wohl günstigste und am wenigsten arbeitsreiche Möglichkeit. Gegen sprießendes Unkraut helfen Bodendecker besser als jeder Stein. Und wenn nicht nur exotische Koniferen, sondern Bienenweide-Pflanzen eingesetzt werden, ist das pralle Leben vor der Haustür perfekt. Schöner ist es allemal, dazu gesünder, lebendiger, ruhiger, temperierter – und auf Dauer deutlich billiger. Bei Dinger’s haben wir Experten, die nicht nur unsere Kunden beraten, sondern auch ihre Vorgärten bepflanzen. Sprechen Sie uns an! Gemeinsam schaffen wir es, Ihr Zuhause lebenswert für Mensch und Tier zu gestalten.

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