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Die zwei größten Feinde der Zimmerpflanzen

19. Juli 2019

Zimmerpflanzen sind einfach wunderbar: Sie heben die Stimmung, reinigen die Luft und verbessern das Raumklima. Und weil sie geschützt stehen, machen sich viele Menschen relativ wenig Gedanken darum, dass sie von Schädlingen befallen werden könnten. Doch zwei Arten von Kleintieren können Ihren Zimmerpflanzen schnell zu schaffen machen: Läuse und Milben. Sie können eine echte Plage werden. Wirklich schützen können Sie sich davor nicht, denn in jeder Wohnung werden einmal die Fenster geöffnet – und meist dringen die Tiere von außen ein, vor allem die Läuse. Aber es gibt Wege, wie Sie die unliebsamen Besucher zumindest in Schach halten können.

Der wohl hartnäckigste Schädling ist die Wolllaus.
Das sind winzige Tiere, die man selten erkennt. Wohl aber bemerkt man schnell ihre Behausung: Dieses Insekt schafft sich eine perfekte Schutzhülle durch ein feines, weißes, wollartiges Gespinst, in dessen Inneren es lebt. Dieses ist etwa stecknadelkopfgroß und sitzt oft direkt an den Trieben oder an den Blattunterseiten. Dadurch ist es relativ schwer, die Läuse direkt zu bekämpfen. Und weil sie mehrere Jahre leben, können sie sich auch dann noch massenhaft verbreiten, wenn nur wenige überleben. Man muss schon alle treffen.

Wollläuse

Systemische Mittel bekämpfen Läuse über die Saftaufnahme

Ähnlich schwierig ist die Bekämpfung der Schildlaus. Auch sie macht sich an Pflanzen aller Art zu schaffen und weiß sich gut zu schützen, nämlich durch ihren Schild, unter dem das Gelege das Muttertier auffrisst, bevor es sich selbst aufmacht, um zu saugen. Es ist zwecklos zu versuchen, den Schild abzuschaben. Besser, Sie entfernen befallene Pflanzenteile oder pinseln alles mit Ölhaltigen Mitteln ein, das die Läuse erstickt. Auch hier gilt: Es darf keine Überlebenden geben. Was also tun, wenn Sie nicht mit der Lupe jeden Teil Ihrer Pflanzen absuchen wollen?

Schildlaus

Bildnachweis: Kurt Henseler – Pflanzenschutz in Haus und Garten (Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.)

Die Lösung liegt in so genannten systemischen Mitteln. Dies sind Stoffe, die in die Pflanze selbst eindringen und die Schädlinge bei der Nahrungsaufnahme von innen erreichen. Saugt also eine Wolllaus-Kolonie oder die Brut von Schildläusen an Ihrer Lieblingspflanze, bleibt manchmal nur der Griff zu Insektiziden, die in den Saftkreislauf gelangen und so jede Laus töten, die es wagt, ihren Saugrüssel hineinzustecken. Achtung: Solche Produkte sollten nicht bei Pflanzen angewendet werden, die Sie verzehren möchten, daher empfehlen wir sie nicht für den großflächigen Einsatz im Freien. Achten Sie auch zuhause unbedingt darauf, dass das Insektizid nicht in den Wasserkreislauf gerät.

Pflanzen gesund halten und drinnen lassen ist die halbe Miete

Milben stehen den Läusen in ihrer Schadwirkung nur wenig nach. Die sogenannte Spinnmilbe erkennen Sie an ihrem auffälligen Gespinst, das wie ein Spinnennetz über dem Blatt aussieht. Hier allerdings können Sie vorbeugen: robuste Pflanzen werden in der Regel nicht befallen. In den meisten Fällen beobachtet man Spinnmilben dann, wenn große Trockenheit herrscht. Das passiert einerseits im Winter bei Heizungsluft, denn dann sinkt die Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent auf nicht selten unter 40 Prozent. Hier hilft häufiges Lüften  ein Zimmerbrunnen oder zum Beispiel das Besprühen der Blätter mit Wasser.

Andererseits können Spinnmilben im Sommer auftreten, wenn die Pflanzen draußen stehen und im Sommer anhaltende Schönwetterperioden mit wenig Wind auftreten. Auf Balkonen und Dachterrassen kann es dann ebenfalls sehr trocken werden. Überhaupt sollten Sie vorsichtig damit sein, Zimmerpflanzen nach draußen zu stellen: Nicht nur fangen sie sich Schädlinge ein, sondern sie schätzen in der Regel auch nicht die Verhältnisse. Viel zu anstrengend sind für sie die Sonneneinstrahlung, die Temperaturschwankungen und die unregelmäßige Wasserzufuhr. Und natürlich kommen auch die Schädlinge von außen. Sie müssen gar nicht immer an der Pflanze selbst sichtbar sein, oft findet man sie auch am Topf oder sogar in Fensterdichtungen.

Spinnmilbe

Bildnachweis: Kurt Henseler – Pflanzenschutz in Haus und Garten (Landesverband Gartenbau Rheinland e.V.)

Wenn Sie keinesfalls Gift einsetzen wollen, dann haben Sie mehrere Möglichkeiten:

  • Lassen Sie Ihre Pflanzen möglichst dort, wo sie üblicherweise stehen. Sorgen Sie für ein zimmerpflanzenfreundliches Klima um die Pflanzengesundheit zu fördern.
  • Entscheiden Sie sich für möglichst schädlingsresistente, robuste Sorten. Die Zamia (auch: Palmfarn) zum Beispiel ist für Schädlinge schwer zu knacken.
  • Setzen Sie Nützlinge ein. Sie können sie gezielt erwerben. Gerne genommen werden die Larven des australischen Marienkäfers oder der CC-Florfliege sowie spezielle Raubmilben

    Nützlinge

    Bildnachweis: Neudorff

 

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3 Kommentare

  • Antworten Enrico 10. Februar 2020 at 8:58

    Haben Milben eigentlich auch irgendeinen Nutzen? Jede Milbenart die mir bekannt ist, ist grundsätzlich ein großes Übel. Die Varroamilbe macht den Bienen stark zu schaffen, Hauspflanzen leiden und selbst ich bin gegen Milben im Bett tatsächlich allergisch. Also, was macht diese Milbe eigentlich Gutes?? 😀

    • Antworten Thomas Brock 11. Februar 2020 at 12:39

      Hallo Enrico,

      vielen Dank für deine Frage.

      Die meisten Milben werden in der Tat als Schädlinge angesehen.
      Allerdings sind gerade die im Boden lebenden Arten äußerst nützlich, da sie zur Humusbildung beitragen.
      Des Weiteren sind einige Raubmilben wie Typhlodromus pyri ein Segen für Gärtner, da Sie sich von Schildlauslarven und anderen Schädlingen ernähren. Auf diese Weise dämmen sie deren Bestand so ein, dass keine relevanten Schäden entstehen.

      Wir hoffen, dass wir Deine Frage beantworten konnten.

      Dein Dinger’s Team!

  • Antworten Enrico 27. Februar 2020 at 13:40

    Hallo Thomas,
    vielen Dank für deine Antwort. Die Raubmilben sind echt beachtliche Tiere. Ich denke ich werde mich mal ein bisschen intensiver mit denen auseinandersetzen.
    Viele Grüße
    Enrico

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