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Sind Ameisen Nützlinge oder Schädlinge?

22. Juni 2021
Ameisen auf einem Baum

Es kommt darauf an, würde Radio Eriwan sagen. Ameisen sind zuverlässig in jedem Garten zu finden, manchmal jedoch auch im Haus oder unter den Terrassenplatten. Das ist nicht jedermanns Sache – und wenn sie dann auch noch anfangen, auf den Rosen Blattlausfarmen zu betreiben, wünscht man sich häufig, sie mögen doch bitte verschwinden. Aber im Allgemeinen richten sie fast nie wirklichen Schaden an, im Gegenteil: Als opportunistische Allesfresser halten sie eine Menge Schädlinge in Schach, dezimieren Unkraut und tragen sehr zum ökologischen Gleichgewicht bei. Wer sie bekämpfen will, sollte dabei also Maß halten.

Wenn Sie einmal keine Lust auf Gartenarbeit haben, dann beobachten Sie doch einmal die Ameisen in Ihrem Garten. Sicher haben Sie schon ein oder zwei Nester ausgemacht. Am häufigsten in unseren Gärten sind die Schwarze und die Gelbe Wegameise, auch die Rasenameise ist recht oft anzutreffen. Insgesamt gibt es an die 200 Arten allein in Europa, eine der bekanntesten ist die Rote Waldameise, die für die riesigen Ameisenhaufen verantwortlich ist, die man in Gehölzen bisweilen findet. 

Ameisenhügel der Roten Waldameise

Ameisen dezimieren Schädlinge und Unkrautsamen

Die Arbeit der Ameisen ist faszinierend. Ihre Staaten sind perfekt organisiert und sie bewegen sich den ganzen Tag auf der Suche nach Nahrung. Finden sie welche, dauert es nicht lange, bis ein ganzer Zug von ihnen zur Stelle ist, denn sie kommunizieren über Düfte und haben einen ausgeprägten Orientierungssinn. Sie reinigen Ihren Garten von einer Reihe von Schädlingen: Raupen, kleinen Schnecken oder Fliegen und vielen Gelegen, denn sie lieben Eier. Zudem verzehren viele Arten eine große Menge an Unkrautsamen. Auch Totmaterial wird nicht verachtet und auf der Suche nach Aas durchwühlen die Tiere häufig die obere Bodenschicht, was zu deren Lockerung beiträgt.

Allerdings schätzen Ameisen auch Süßes. Sie werden magisch von Zucker angezogen, weshalb sie mitunter auch dort eindringen, wo viele sie nicht gerne sehen: in Gartenhäuser oder sogar Wohnungen. Auch wenn sie dort keinen wirklichen Schaden anrichten, werden Ameisenstraßen in den eigenen vier Wänden nur selten gerne gesehen. Insekten gelten als unhygienisch und lästig – und auch wenn die Ameisen sich weder für den Menschen interessieren noch Schmutz oder Keime einschleppen, stellt sich schnell ein ungutes Gefühl ein.

Ungünstig platzierte Nester und die Sucht nach Süßem

Der Drang nach Süßem ist es auch, der die Ameisen zu den Blattläusen treibt. Denn Blattläuse besiedeln Pflanzen auf der Suche nach eiweißhaltigen Säften. Weil Proteine jedoch nur einen kleinen Anteil ausmachen, müssen die Läuse viel saugen – und scheiden dabei das überschüssige Wasser mitsamt dem enthaltenen Zucker aus. Ameisen lieben diesen Saft, schlecken ihn genüsslich ab, schützen die Blattläuse vor Fressfeinden und locken sie auf die zartesten Triebe. In der Regel reguliert sich das Problem von selbst aus, sobald Marienkäfer auf den Plan treten, aber zwischenzeitlich kann es an empfindlichen Pflanzen Entwicklungsstörungen geben.

Ameisen und Blattläuse

Ein Ärgernis ist in manchen Fällen auch der Nestbau. Nisten Ameisen unter akkurat verlegten Steinplatten, dann graben sie Gänge durch die Fugen. Manche stört schon das typische Bild der kleinen Sandhäufchen in Fugen und auf Platten, aber bei großen Nestern kann auch der Boden leicht nachgeben, sodass die Platten nicht mehr ganz waagerecht liegen und es zu Stolperfallen kommen kann. Auch in Töpfen und Kübeln ist ein Nest eher ungünstig: Wächst es zu stark, dann werden die Wurzeln der Pflanze verdrängt.

Sandhügel eines Ameisenbaus

Ameisenköder wirken auf die Fruchtbarkeit der Königinnen

Weil Trockenheit das Vorkommen der Insekten begünstigt, hat die Zahl der Ameisen in einigen Gegenden deutlich zugenommen. Die Kölner Region gehört dazu: Seit 2015 sind hier mehrfach Dürren aufgetreten, von denen sich die Natur immer noch nicht ganz erholt hat. Wenn es also in Ihrem Garten Problemvölker gibt, ist es verständlich, dass Sie sie gerne los wären. Es gibt eine Menge Hausmittel, die empfohlen werden, um die Tiere zu vertreiben: Backpulver, Kaffeesatz und verschiedene ätherische Öle zum Beispiel. 

Allerdings beseitigen diese Mittel nicht die Nester. Wenn Ihnen also ein spezielles Nest ein Dorn im Auge ist, bieten sich Sprays, Pulver und Köderfallen an. Ist der Rasen stark befallen, empfehlen wir aus eigener Erfahrung auch dort die Anwendung des Pulvers. Man löst das Pulver in Wasser auf und gießt damit. Im Haus und in Hausnähe sind Köder effektiver: die Ameisen nehmen die Lockmittel mit ins Nest, verfüttern sie an die Königin und diese lässt aufgrund der chemischen Wirkung des Köders deutlich in ihrer Fruchtbarkeit nach. Nach und nach wird der Staat kleiner und die Plage ebbt ab.

Die beste Vorsorge: ein naturnaher Garten

Noch viel sanfter, aber auch aufwändiger, ist die Methode, Ameisennester zu versetzen. Man stülpt dafür einen mit Holzwolle gestopften Blumentopf über die Nestöffnung und wartet, bis der Staat sich weitgehend in das neue Nest verlegt hat. Dann gräbt man unter dem Topf großzügig den Boden auf und dreht den Topf um. Wenn man ihn mindestens dreißig Meter vom ursprünglichen Standort entfernt neu platziert, suchen die Ameisen den alten Ort nicht mehr auf und gewöhnen sich an die neue Umgebung.

Und selbstverständlich haben auch Ameisen natürliche Feinde: verschiedene Raubinsekten und Brutparasiten, vor allem aber Vögel haben sie fest auf dem Speisezettel stehen. Alleine Spechte können pro Tag Tausende von ihnen vertilgen. Vielleicht hört es sich auf die Dauer etwas langweilig an, aber letztlich ist unsere Empfehlung immer gleich: ein naturnaher Garten ist die beste Versicherung gegen jede Plage. Wenn sich die Tiere gegenseitig in Schach halten, wird es nur selten zu Überfallkommandos einer Art kommen. Und mit diesem beruhigenden Gefühl ist es auch viel schöner, die Ameisen bei ihrem Tagwerk zu beobachten.

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